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Economy & Business

Ungewöhnliche Finanzierungsoptionen für die Unternehmensgründung

Für die Gründung eines Unternehmens gibt es spezielle Zutaten. Die erste ist sicherlich die Idee, denn sie muss haltbar sein, einen Zukunftsnutzen versprechen und möglichst auch jetzt schon Gehör finden. Doch die beste Idee allein bleibt meist im sprichwörtlichen Keller, wenn das Budget fehlt.

Natürlich, es gibt Unternehmen, die lassen sich praktisch auf dem Bierdeckel planen, zwischen Wohnstube und Gartenhütte realisieren und kosten zwar viele Nerven und Schlaf, doch kaum Geld. Andere hingegen lassen sich nicht ohne eine Finanzierung auf die Beine stellen. Angehende Unternehmer müssen sich also auf die Suche nach Investoren und Finanzpartnern machen. Doch neben den üblichen Wegen gibt es durchaus auch logische, dennoch seltene Optionen, wie dieser Artikel zeigt.

Lottogewinn investieren

Wer hat, der hat. Man könnte nun mutmaßen, dass ein Lottogewinn, der pünktlich zur Gründung eintrifft, eine glückliche Zukunft verheißen muss. Immerhin ist nun nicht nur das Geld da, sondern auch das Glück, welches das Geld erst einmal aufs Konto gebracht hat. Was sich eher unglaublich anhört, ist gar nicht so unüblich:

  • Prominentes Beispiel – Steffen Henssler, mitunter aus den TV-Koch-Formaten von VOX und Pro7 bekannt, investierte tatsächlich einen Lottogewinn über Umwege in ein Unternehmen. Er unterhielt bereits ein Restaurant mit seinem Vater. Als er im Lotto gewann, investierte er das Geld in seine Ausbildung und machte sich in die USA auf, um bei einem japanischen Sushi-Spezialisten in die Lehre zu gehen. Er kam zurück, mit Diplom in der Hand und erweiterte sein Tun. Offenbar ging der Plan auf, denn Henssler unterhält heute insgesamt vier Restaurants, darunter Sushi und Seafood, hat einen Michelinstern und bessert seine Einnahmen seit Jahren an der Seite von Rach und Mälzer im TV auf.
  • Man ist nie zu alt – die Idee, sich mit dem Lottogewinn einen Traum zu erfüllen und ein Unternehmen zu gründen, ist nicht neu und kommt auch längst nicht selten vor. Die meisten Lottogewinner sprechen einfach nicht darüber. Nicht so die 81-jährige Dame in den USA, die den Powerballjackpot dazu nutzte, endlich ihre Eisdiele zu eröffnen.
  • Das andere Unternehmen – in England kaufte ein Lottogewinner einen Fußballklub. Wer sich die Fußballlandschaft mit all ihren Investoren anschaut, der sieht, dass diese Unternehmensgründung gar nicht so falsch ist.
  • Unterhaltungsparks – in Amerika gewann John Kutey bei den Mega Millions und gründete sein lang gehegtes Traumunternehmen. Er öffnete unter anderen einen Wasser-Freizeitpark.

Sicherlich sind dies nur wenige Beispiele unter vielen. Im Volksmund wird von einem Lottogewinn gesprochen, wenn der große Jackpot geknackt wird. Es ist nicht überliefert und kann keinesfalls belegt werden, doch die Wahrscheinlichkeit, dass so manche Gründer und junge Unternehmen teilweise auf Lottogewinnen im kleineren Umfang beruhen, ist sehr hoch. Welcher Gründer würde einen Gewinn von 50.000 Euro nicht für die Ausstattung seines Unternehmens verwenden? Wer also die Gewinnzahlen im Mittwochslotto oder samstags verfolgt und schon 5 Richtige hat, kann dem eigenen Unternehmen einen tollen Anschub geben.

Crowdfunding

Eine andere Option, die wenig mit Glück denn einer guten Vorstellung zusammenhängt, ist das Crowdfunding. Sicherlich ist es in den USA weit bekannter als hierzulande, doch nimmt es auch in Deutschland immer größere Züge an. Es bietet viele Möglichkeiten und verschafft allein schon durch die Aktion ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

  • Wie geht das? – auf speziellen Plattformen stellen Unternehmer sich, ihr Unternehmen und die Ideen vor. Die Vorstellung muss gut und interessant sein, damit möglichst viele Crowdfunder mitmachen.
  • Funding – je nach Aktion und Plattform gibt es verschiedene Modelle. Unternehmer können auch Kleinbeträge von fünf Euro akzeptieren. Mitunter ist auch ein Großinvestor so überzeugt, dass er zu 90 Prozent die Finanzierung trägt. Die Grundlage ist jedoch immer, dass das Geld aus der Menge zusammenkommt.
  • Rendite – die Geldgeber werden natürlich am Unternehmen beteiligt. Auch dies kann wieder unterschiedlich ausfallen. Kleinspender erhalten oft ein Produkt gratis, Großspender erhalten einen Anteil am Unternehmen.

Beim Crowdfunding kommt es massiv auf die Idee und die Vorstellung an. Dabei muss ein Gründer nicht mal eine Idee haben, die Berge versetzen kann, sondern die viele verschiedene Menschen anspricht. Ein Gründer, der mit seinem Unternehmen echte Alltagshilfen, die jeder schon einmal haben wollte, nur nicht wusste, dass es sie je geben wird, verkaufen will, der hat die besten Chancen. Auch Betriebe im ökologischen, biologischen, ernährungstechnischen Umfeld sind oft gefragt.

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Familienkredite

Ungewöhnlich ist dieser Weg wohl nicht. Die meisten Gründer wenden sich mit an die Familie, um das erste Startkapital zu erhalten. Ungewöhnlicher ist es jedoch, wenn der Gründer nicht auf ein Geldgeschenk setzt, sondern einen echten Kredit aufnehmen möchte. Auch hier gibt es mitunter das ›Familyfunding‹:

  • Konto – der Gründer könnte ein Konto eröffnen, auf welches jedes Familienmitglied, Bekannte oder Freunde einen Betrag als Zuschuss zur Gründung einzahlen. Das Crowdfunding wird so im privaten Rahmen gehalten, die Rendite können nun auch über eine Grillfeier ausgezahlt werden.
  • Kredit – grundsätzlich gilt bei Privatkrediten: Sie sollten so gehandhabt werden, wie jeder Kredit von der Bank. Beide Parteien sollten einen Vertrag abschließen, der die Summe, die Konditionen, die Rückzahlungen, eventuelle Zinsen und Beteiligungen oder auch die Zweckbindung festlegt. So lassen sich Missverständnisse direkt aus dem Weg räumen.

Hat ein Gründer gegenüber der Bank noch keine guten Argumente, so kann natürlich auch ein Familienmitglied stattdessen einen Kredit für die Gründung aufnehmen. Doch auch hier gilt: Im Innenverhältnis ist ein zweiter Vertrag notwendig. Im schlimmsten Fall könnte der Kreditnehmer nämlich sonst später die Besitzverhältnisse des Unternehmens anfechten. Immerhin steht er als Kreditnehmer im Bankvertrag drin. Obwohl es unangenehm ist, Verträge mit der Familie oder Freunden abzuschließen, so gilt nicht nur für Gründer: Bei Geld hören Freundschaft und Familienbande auf.

Fazit: Viele Wege führen nach Rom

Natürlich wäre es der perfekte Wink des Schicksals, wenn kurz vor der Unternehmensgründung ein größerer Lottogewinn auf dem Konto erscheint. Die meisten Gründer müssen sich jedoch anderweitig Finanzierungswege suchen. Das Crowdfunding ist teilweise sehr interessant, doch lohnt es sich, vorab in eine gute Vorstellung zu investieren. Kleinere Beträge lassen sich gut in der Familie leihen, doch hier bitte nur mit Vertrag und festgelegten Regeln.

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