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Was sollte man im Zuge einer Firmenbeteiligung beachten?

Häufig kommt es aus verschiedenen Gründen nicht infrage, selbst eine Firma zu gründen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, diese Idee zumindest teilweise in die Tat umzusetzen. Die Lösung dafür sind Firmenbeteiligungen, die sich auf verschiedenen Wegen bewerkstelligen lassen. Was dabei zu beachten ist, haben wir nachfolgend zusammengestellt.

Was bedeutet Firmenbeteiligung?

Um sich an einem Unternehmen beteiligen zu können, muss der Kapitalgeber der ausgewählten Firma sein Eigenkapital im Austausch gegen das Miteigentum zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch, dass der Miteigentümer von dem Zeitpunkt an das unternehmerische Risiko trägt. Im Gegenzug erhält er allerdings auch eine Gewinnbeteiligung. Es gibt auch den Fremdkapitalgeber, der für das eingebrachte Geld eine festverzinste Summe erhält. Dafür ist er nicht aktiv am Unternehmen beteiligt und trägt auch nur bedingt das unternehmerische Risiko mit. Die erste Hürde bei einer Beteiligung stellt meist die Festlegung des Firmenwertes und der Anteile, um die es geht, dar.

Formen der Firmenbeteiligung

Die bekannteste aller Varianten ist der Kauf von Aktien durch Fondsgesellschaften aber auch durch Privatpersonen. Ein klein wenig Know-How ist allerdings dafür erforderlich, um am Aktienmarkt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Immerhin droht bei hohen Investitionen unter Umständen auch ein Totalverlust. Neben dem Aktienkauf ist auch eine Teilübernahme eines Unternehmens in Deutschland oder im Ausland denkbar. Allerdings ist dafür ein hohes Eigenkapital notwendig. Im Internet gibt es genügend Angebote von Unternehmen, die nach Miteigentümern suchen, und Unternehmen, die das benötigte Kapital innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stellen. Dies ist meist sehr einfach und unkompliziert und die Konditionen lassen sich bequem vergleichen. Auch die Raten sind häufig direkt online berechenbar.

Unterscheidung der Beteiligungen nach Quote

Eine Firmenbeteiligung ist in unterschiedlicher Höhe möglich. Dabei sind 1% genauso realisierbar wie 95%. Je nach Quote unterscheidet man verschiedene Beteiligungsformen. Dabei sind allerdings die Beteiligungen mit bis zu 1% des Unternehmens lediglich Kleinstbeteiligungen. Erst ab 1% aufwärts ist die Rede von wesentlichen Beteiligungen. Zwischen 1% und 10% liegt eine Streubesitzbeteiligung vor.

Weitere größere Quoten sind:

  • 25% – 50% Sperrminorität (bis 50% handelt es sich um eine Minderheitsbeteiligung)
  • 50% – 75% Mehrheitsbeteiligung (Majorität)
  • 75% – 95% Qualifizierte Mehrheitsbeteiligung (notwendig für Satzungsänderungen)
  • 95% – 100% Eingliederungsbeteiligung („Squeeze-out“-Beteiligung)

Folgen der Beteiligungsquote

Je nach Höhe der Beteiligung ist der Anteilseigner auch am Stimmrecht beteiligt und kann Einfluss auf die Firma nehmen. Dazu kommen auch unterschiedliche Haftungsfolgen. Der höchste Einfluss ist erst ab einer Beteiligung von 75% möglich, denn erst dann ist es möglich, Beschlüsse mit einer qualifizierten Mehrheit zu fassen. Wer eine Eingliederungsbeteiligung von 95% besitzt, kann bei Aktiengesellschaften die Minderheitenaktionäre sogar ausschließen. Bei den Quoten sind immer auch börsenrechtliche Meldevorschriften zu beachten. Aber auch die Aktionäre, die nur eine niedrige Quote besitzen, haben verschiedene Rechte. Beispielsweise können auch sie die Einberufung einer Hauptversammlung verlangen.

Offene oder stille Beteiligung?

Das hängt davon ab, ob der Kapitalgeber in den Jahresabschlüssen namentlich auftauchen möchte (offene Beteiligung) oder lieber weder hier noch im Handelsregister in Erscheinung treten will (stille Beteiligung). Eine offene Beteiligung kann über Bareinlagen, Sacheinlagen oder der Überlassung von Vermögensgegenständen erfolgen. Abgesehen davon, dass der Kapitalgeber auf Wunsch anonym bleiben kann, ist auch die Haftung unterschiedlich. Denn der stille Gesellschafter haftet nur mit seiner Beteiligung, ist nicht an den abgeschlossenen Geschäften beteiligt  (also ohne Rechtsfolgen), sondern nur am Verlust. Das ergibt sich aus den Regelungen des Handelsgesetzbuches (§§230 – 232 HGB).

Die Zeit für Beteiligungen ist aufgrund der Corona-Krise günstig, denn für viele Unternehmen wäre eine Geldeinlage die letzte Möglichkeit, die Firma zu retten. Diese Situation lässt sich auch an den Börsenzahlen ablesen.

Welche Firmen eignen sich für eine Beteiligung?

Die Auswahl ist hierbei recht groß. Am beliebtesten sind, je nach Finanzkraft und Know-How, mittelständische Unternehmen oder Startups. Beim Mittelstand gibt es viele Angebote im Bereich Handwerk und Dienstleistungen.

Die Vorteile und Probleme einer Beteiligung

Eine Beteiligung ist grundsätzlich eine gute Idee. Denn durch den Einstieg in eine am Markt bereits gut positionierte Firma, ist die Höhe der Gewinnbeteiligung gut. Auch für den Unternehmer, der seine Anteile zum Kauf anbietet, bringt das Vorteile, da die Firma durch das zusätzliche Geld besser aufgestellt ist. Viele Unternehmer machen sich rechtzeitig auf die Suche nach einem Teilhaber, um später die Unternehmensnachfolge abzusichern. Wer hier einsteigt, muss nicht nur genügend Geld, sondern auch viel Erfahrung und Fachwissen mitbringen. Manchmal wollen auch Angestellte ein- und aufsteigen, beispielsweise Geschäftsführer anderer Firmen, die sich durch die Beteiligung eine Leitungsposition sichern können.

Häufig gelingt es, ein Familienmitglied oder einen langjährigen Mitarbeiter als Teilhaber und Nachfolger zu gewinnen. In dem Fall ist es ein großer Vorteil, da man sich bereits kennt und das notwendige Vertrauen vorhanden ist. Auch ob das Fachwissen ausreicht, lässt sich in diesem Fall von beiden Seiten gut beurteilen.

Probleme, die zu bedenken sind

Allerdings bringt die Beteiligung auch mindestens drei Probleme mit sich, die zu bedenken und aus dem Weg zu räumen sind.

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Unterschiedliche Vorstellungen

Zu Beginn ist es für die beiden Parteien meist schwer, sich über die Konditionen der Vereinbarung zu einigen. Dazu kommen die möglicherweise nicht deckungsgleichen Vorstellungen darüber, wie es mit der Firma weitergehen soll. In welche Dinge soll investiert werden? Inwiefern darf der neue Miteigentümer mitbestimmen? Lassen sich die verschiedenen Ansichten überhaupt auf einen gemeinsamen Nenner bringen?

Transparente Finanzübersicht

Sollte hier ein Konsens bestehen, geht es mit den Finanzen weiter. Denn nun sind der Firmenwert und die Anteilswerte genau zu beziffern. Das ist ohne Unterstützung eines Steuerberaters und aussagekräftige Zahlen (BWA) eigentlich nicht machbar. Auch ein Unternehmensberater kann bei der Wertermittlung behilflich sein.

Finanzierung über die Bank

Wenn alle theoretischen Fragen geklärt sind, geht es im praktischen Teil an die Finanzierung der Beteiligung. Hierzu ist häufig ein Kredit notwendig. Dabei will die Bank Einsicht in die Firmenbewertung und verlangt auch Sicherheiten. Auch hier kann ein Unternehmensberater behilflich sein, alle notwendigen Unterlagen vorab zusammenzustellen. Nur wenn alle Dokumente aussagekräftig sind, lässt sich die Finanzierung durch die Bank problemlos abwickeln.

Fazit

Für eine gelungene Übernahmen sind Experten wichtig (Steuerberater, Unternehmensberater), die bei der detaillierten Überprüfung der Firma und Verträge helfen. Die eigene Finanzkraft, Kreditwürdigkeit bei der Hausbank und das Fachwissen des Teilhabers sind ebenfalls im Vorfeld zu prüfen.

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