Ausgabeaufschlag
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Finanzen & Börse

Ausgabeaufschlag: Kosten vermeiden durch den Verzicht auf Beratung?

Der Laie wundert sich: Er hat Fondsanteile im Wert von 1 000 Euro gekauft, aber ein Teil der Investition ist tatsächlich im Depot gar nicht angekommen. Der Fachmann hingegen kennt die Erklärung: Die Bank hat den Ausgabeaufschlag abgezogen, und die auch Agio genannte Minderung hat den Depotwert reduziert. Dabei wollte der Anleger sein Geld nur gewinnbringend platzieren und startet gleich mit Verlusten.

Der Ausgabeaufschlag: Kosten und Gebühren

Wer am Kapitalmarkt investiert, wird immer wieder mit Gebühren und Kosten konfrontiert. Denn die Finanzdienstleister lassen sich ihre Aufwendungen von den Kunden besonders vergüten. Anders als im wirklichen Leben, wo zusätzliche Ausgaben gleich im Produktpreis enthalten sind, stellen Banken dezidierte Forderungen, mit denen sie ihre Leistungen abrechnen. Der Ausgabeaufschlag wird deshalb von der Investition sofort abgebucht. Allerdings verlangt das Finanzunternehmen nicht, dass die Gebühr zusätzlich entrichtet wird. Um den Vorgang zu vereinfachen, gibt es nur weniger Fondsanteile aus. Der einbehaltene Rest begleicht die Auslagen, die bei Verwaltung und Beratung entstehen.

Aber es bleibt nicht bei der Folge, dass bereits die initiale Ausgabe der Fondsanteile einen geringeren Wert darstellt, als der Investor ursprünglich erwartet hatte. Im weiteren Verlauf verringert sich auch die Rendite automatisch, weil weniger Kapital im Depot vorhanden ist.

Den Agio berechnen

Die Ausgabeaufschläge sind unterschiedlich hoch, im allgemeinen betragen sie zwischen fünf und sieben Prozent des eingesetzten Kapitals. Um den Aufschlag als Prozentanteil auszurechnen, nimmt der Anleger den Ausgabepreis des Fonds mal einhundert und dividiert durch den Rücknahmepreis. Vom erhaltenen Ergebnis subtrahiert er 100 und erhält den Ausgabeaufschlag. Wer die Prozedur lieber als Formel anwenden will, achtet auf die folgende Formulierung:

  • (Ausgabe x 100 : Rücknahme) – 100 = Aufschlag

Bei Aktienfonds sind üblicherweise fünf Prozent als Ausgabeaufschlag zu erwarten, ein Rentenfonds kommt mit drei Prozent aus. Übrigens verwendet die oben demonstrierte Berechnung die Nettomethode, die viele Fondsgesellschaften anwenden. Gerechnet wird mit dem Betrag, der tatsächlich in den Fonds einfließt. Dabei handelt es sich im allgemeinen um den Rücknahmepreis. Auch die Bruttomethode kommt gelegentlich zur Anwendung, dann liegt der Ausgabepreis höher.

Brutto oder netto?

Denn diese Rechnung operiert mit mit dem Bruttoanlagebetrag, also mit dem höheren Ausgabepreis der Anteile. Im Prospekt des Fonds finden sich genauere Angaben zu der verwendeten Methode. Mit den gleichen Prozentwerten ist die Nettomethode für den Anleger allerdings günstiger. Um Missverständnisse und unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollte die Berechnungsart in den Vertragsverhandlungen zur Sprache kommen. Investor und Broker sollten jegliche Unklarheiten vermeiden, im Interesse einer auskömmlichen Geschäftsbeziehung. Hat der Kunde in einen Sparplan mit geschlossenen Fonds investiert, ist es üblich, den Ausgabeaufschlag nur einmal zu berechnen und einzubehalten. Unmittelbar mit Beginn des vereinbarten Sparplans wird die Zahlung verrechnet.

agio berechnen
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Als praktisches Beispiel erwirbt der Anleger Anteile in Höhe von 1 000 Euro. Bei einem Agio von 5 Prozent zahlt er nach der Nettomethode 47,62 Euro, die das Finanzunternehmen unmittelbar einbehält. Erst dann verbucht die Bank den Sparplan im Depot. Als Fondsanlage verbleiben 952,38 Euro. Die Bruttomethode ist übersichtlicher und für den Anleger unmittelbar nachvollziehbar. Fünf Prozent von 1 000 Euro sind 50 Euro. Im Depot verbleiben also 950 Euro, und 50 Euro gehen als Ausgabeaufschlag an das Finanzinstitut. Obwohl dieses Verfahren sofort überzeugt, ist die Nettomethode für den Kunden etwas günstiger.

Der Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühr

Außer dem Ausgabeaufschlag ist aber noch mit weiteren Kosten zu rechnen. Die Verwaltungsgebühr, auch Managementgebühr genannt, wird jährlich erhoben als Prozentanteil des aktuellen Anlagewerts. Sie wird in den meisten Fällen kontinuierlich dem Depot entnommen. Die Gebühr ist unabhängig von der Kursentwicklung, auch bei fallenden Erträgen berechnet der Finanzdienstleister seine Kosten. Um die Rentabilität seiner Anlage richtig einzuschätzen, sollte der Investor neben dem Ausgabeaufschlag auch die Managementgebühr in seine Kalkulation einbeziehen.

Der ETF-Sparplan und das Agio

Die beliebten ETF-Sparpläne bieten die Banken meist ohne einen Ausgabeaufschlag an. Wird doch ein Agio verlangt, kommt die Gebühr aber im Vergleich mit einem geschlossenen Fonds deutlich günstiger. Zwei bis fünf Prozent sind dann die Norm, und es ist Aufgabe des Anlegers, die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Besonders Neulinge sollten hier kritisch zu Werke gehen, um den besten Anbieter zu finden. Verzichtet der Broker auf den Agio, was bei einem Großteil der Fall ist, kommt es selbstredend nicht zu einer Wertminderung der Anteile oder der Rendite.

Mit Rabatten den Ausgabeaufschlag verringern

Zum Teil bieten die Banken einen Rabatt auf das Depot an, und damit wird der Wert der Anlage nicht schon zu Anfang reduziert. Der Anleger zahlt nicht den vollen Aufschlag, wenn er etwa auf ein persönliches Beratungsgespräch verzichtet. Es lohnt sich also, sich selbst zu informieren und damit Kosten zu sparen. Allerdings kann es üble Folgen nach sich ziehen, wenn der Laie aus Unwissenheit aufgrund fehlender Beratung eine Fehlinvestition eingeht. Wer sich allerdings auf dem Finanzmarkt auskennt und rational investiert, beeinflusst seine Rendite gleich am Anfang positiv, wenn der Aufschlag entfällt. Die Discountbroker haben oft Fonds im Angebot, deren Anteile sie ohne Agio verkaufen.

So kann der Agio etwa mit fünf Prozent angegeben sein, der aber mit einem Rabatt von 25 Prozent verbilligt wird. Dann liegt der tatsächliche Abzug nur noch bei 3,75 Prozent und entspricht etwa dem Aufschlag auf einen ETF-Sparplan. Aber ein Rabatt sollte nicht das ausschlaggebende Argument bei einer Investition sein. Beim Kauf geht es vielmehr um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens, eines Index oder einer beliebigen anderen Anlage. Und die Strategie muss stimmen, der Zeitpunkt des Einstiegs ist wichtig und welchen Erwartungshorizont der Anleger hat.

Ausgabeaufschlag verringern
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Fonds ohne jeden Aufschlag

Wenn der Anleger Kosten sparen will, sind nicht nur die Teilnachlässe interessant. Sogar ein Kauf komplett ohne einen Aufschlag ist im Bereich des Möglichen. Etliche Fondsvermittler bieten Anteile ohne jeden Abzug an, nämlich mit einem Rabatt von vollen 100 Prozent. Das Angebot ist jedoch inzwischen unüberschaubar, manche sprechen bereits von einem Rabattdschungel bei den Fondsangeboten. Wie bereits gesagt, entsteht dann aber für den Anleger das Risiko, dass er die falsche Entscheidung trifft. Mangel an Information ist der häufigste Grund für Verluste bei Geldanlagen, und ohne eine qualifizierte Beratung läuft besonders der Laie Gefahr, den falschen Investmentfonds zu wählen.

Nur mit dem entsprechenden Fachwissen wird es möglich, die für die individuellen Ansprüche richtige Investition zu finden. Der 100-Prozent-Rabatt beim Discountbroker ist ebenfalls mit einem Verzicht auf ein Beratungsgespräch verbunden. Deshalb entstehen für den Kunden auch keine Kosten, der Agio fällt also komplett weg.

Den Fonds an der Börse kaufen

Das Finanzwesen war bis vor einigen Jahren fest und ausschließlich in der Hand von Beratern, und die Vermittler verlangen für ihre Dienstleistung selbstverständlich eine angemessene Entlohnung in Form von Gebühren. Ob Hausbank oder Finanzberater, die Experten überlassen ihre Erkenntnisse nicht ohne eigenes Interesse. Mittlerweile ist es aber für jeden Privatanleger möglich, selber an der Börse zu investieren und seine Fondsanteile hier zu erwerben. Aber auch dann sind Gebühren zu entrichten, nur in anderer Form. Einschließlich der Ordergebühren, die der Börsenbetreiber verlangt, können sich die Börsenspesen auf etwa 1,5 Prozent belaufen. Damit ist die Investition über den Börsenhandel nicht in jedem Fall günstiger. Denn die Rabatt-Angebote liegen oft noch etwas darunter oder entfallen wie gesagt vollständig.

Ausgabeaufschlag: Traden oder vorsorgen?

Zusätzlich ist zu bedenken, dass die auch No-Load-Fonds genannten Investments ohne Aufschlag oft mit sehr hohen Verwaltungsgebühren daherkommen. Der Anleger zahlt also keinen Agio, dafür aber Gebühren, die erheblich höher ausfallen können. Besonders wenn das Kapital langfristig angelegt bleiben soll, entstehen durch diese Gebühren bisweilen erhebliche Nachteile für die Performance. Denn die Kosten werden jährlich berechnet und auch vom Fondsvermögen abgebucht. Meist richten sich die No-Load-Fonds an Trader oder an Investoren, die nur für kurze Zeit ihr Kapital anlegen wollen, etwa für wenige Monate. Für diese Investmentfonds hat sich mittlerweile die Bezeichnung „Trading-Fonds“ etabliert.

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