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Human Resources

Homeoffice oder Shared Working Space?

Mit der Pandemie wurden die traditionellen Arbeitsmodelle infrage gestellt. Arbeitnehmende mussten von einem Tag auf den anderen von zu Hause aus arbeiten. Auch wenn der Übergang in manchen Betrieben nicht ganz reibungslos funktionierte, sahen die Angestellten schnell, wie einfach es möglich ist, von zu Hause aus zu arbeiten.

Nun mussten sich die Arbeitgeber rechtfertigen, weshalb dieses Arbeitsmodell nicht funktionieren sollte, wenn es so einfach umsetzbar wäre. Für viele Jobs des Dienstleistungssektors macht es nämlich kaum einen Unterschied, ob das Personal von zu Hause oder vom Büro aus arbeitet. Oder doch? Dies und mehr klären wir im folgenden Beitrag zum Thema Arbeitsmodelle der Zukunft.

Das Homeoffice gewann rasant an Popularität

Vor dem Ausbruch der SARS-CoV-2 Pandemie arbeitete rund vier Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland im Homeoffice. Mit den im Frühjahr 2020 verhängten Lockdowns schoss diese Zahl auf rund 27 Prozent. Wer nicht in einem systemrelevanten Betrieb arbeitet, musste vom Homeoffice aus arbeiten, sofern das möglich war. Mittlerweile ist die Zahl der im Homeoffice beschäftigten Personen etwas gesunken und hat sich bei rund 15 Prozent eingependelt. Damit arbeiten aber dennoch rund dreimal so viele Personen überwiegend oder vollständig im Homeoffice, als es noch im Jahr 2019 der Fall war.

Auslöser, weshalb die Leute zu Hause blieben, waren die Angst vor dem unbekannten Virus und die behördlich verhängten Lockdowns. Mit Stand 2022 hat das Homeoffice bei den meisten Angestellten jedoch nur noch wenig mit der Pandemie zu tun. Die meisten Beschäftigten kamen durch die Pandemie zum ersten Mal persönlich mit dem Konzept des Homeoffices in Kontakt und lernten dessen Vorteile kennen und schätzen. In vielen Fällen sehen Arbeitnehmende heute keinen Grund mehr, der es rechtfertigt, weshalb sie wieder vom Büro aus arbeiten sollten.

100 Prozent Homeoffice wird es nicht geben

Das Homeoffice wurde mit der Corona-Pandemie einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich. Komplett ausgelöst hat Covid das Konzept aber nicht. Die Arbeit von zu Hause aus war schon vor der Pandemie im Trend, wenn auch nur in einem viel kleineren Ausmaß als heute. Keine Frage, das Homeoffice liegt nach wie vor im Trend und seine Bedeutung dürfte zunehmen. Jedoch werden in absehbarer Zeit nicht plötzlich alle Arbeitnehmenden von zu Hause aus arbeiten, auch nicht in den Branchen, in denen es möglich wäre. Dies hat zwei Gründe:

Freiwilliger Verzicht durch Arbeitnehmende

Manche Personen verzichten freiwillig auf das Homeoffice. Sie können sich zum Beispiel zu Hause nicht konzentrieren, haben Mühe mit der Technik oder vermissen den direkten zwischenmenschlichen Kontakt, den sie bei der Arbeit im Büro genießen.

Homeoffice-Verbot durch den Arbeitgeber

Einige Arbeitgeber ermöglichen es ihren Angestellten nicht, von zu Hause aus zu arbeiten. Das kann verschiedene Gründe wie ein konservatives Management, zu wenig Vertrauen in die Integrität der Arbeitnehmenden oder befürchteter Produktivitäts- und Innovations-Verluste haben.

Ist Shared Working besser als das Homeoffice?

Beim Shared Working arbeitet ein Teil der Belegschaft zu Hause, während ein anderer Teil im Büro arbeitet. In der Regel gibt es festgelegte Rotationen mit fixenTagen, wann, wer zu Hause arbeiten kann. Die Angestellten verfügen dabei in den meisten Fällen über keinen eigenen Arbeitsplatz, sondern arbeiten dann dort, wo sie möchten. Shared Working wird von vielen Unternehmen als optimale Alternative zum herkömmlichen Homeoffice gesehen, bei dem die Mitarbeitenden ausschließlich von zu Hause aus arbeiten.

Bei manchen Ansätzen des Shared Workings ist es möglich, dass das Personal zwischen der Arbeit in Co-Working-Spaces, in dezentralen Büros, am Hauptsitz oder zu Hause entscheiden kann. Solche Arbeitsmodelle sind vor allem in den Vereinigten Staaten und in Kanada populär, sie kommen mittlerweile jedoch auch in Europa Schritt für Schritt auf.

Eine Kombination ist die Lösung

Für die Arbeitgebenden und für den Arbeitsmarkt als Ganzes betrachtet ergibt es Sinn, die goldene Mitte zu finden. Natürlich ist bei vielen Jobs nach wie vor die physische Präsenz der Angestellten zwingend. Auch gibt es Branchen, wie beispielsweise der IT-Sektor, in denen sich das Homeoffice schon vor der Pandemie weitgehend durchsetzte. In den meisten Branchen des Dienstleistungssektors ergibt es aber wenig Sinn, vollständig in die eine oder in die andere Richtung zu lehnen, was neuartige Konzepte wie das Homeoffice angeht. Viele Unternehmen haben herausgefunden, dass eine Kombination aus Homeoffice und physischer Präsenz für sie am besten funktioniert. Unternehmen sollten sich also gegenüber neuen Konzepten öffnen, diese ihrer Belegschaft jedoch nicht aufzwingen.

Wieso Arbeitgeber die neuen Trends beachten sollten

“Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der befragten Mitarbeiter:innen aus aller Welt würde in Erwägung ziehen, ihre Stelle nach der COVID-19-Pandemie zu kündigen, wenn ihnen keine Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und -zeit geboten wird.”  Dies hat das Unternehmen EY im Sommer des letzten Jahres in einer international durchgeführten Studie herausgefunden. Für Arbeitgeber ist es unerlässlich, auf dem Stand der Dinge zu bleiben, neue Trends aktiv zu verfolgen und stetig zu evaluieren, welche Erwartungen die Arbeitnehmende an ihren Arbeitsplatz stellen.

Besonders im Hinblick des Fachkräftemangels müssen Arbeitgeber darauf achten, attraktiv zu bleiben und neuartige Modelle in Erwägung zu ziehen. Nur so können Unternehmen ihren Personalbedarf langfristig decken und neues Talent rekrutieren. Moderne Arbeitsansätze wie Homeoffice, Remote Working oder Shared Working sind keine abstrakten Theorien, sondern die Arbeitswelt von morgen, die bereits heute an Relevanz gewinnt.

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Heinrich Gellertshausen
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