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Die neue Waffe des Immobilien-Maklers: Was die KI-Modelle der Zukunft den Maklern bringen

„Der erfolgreichste Makler von morgen wird jemand sein, der die neuen Werkzeuge, die ihm KI bereitstellt auf eine Art zu nutzen weiß, wie es die anderen nicht wissen.“

Marnus Flatz

Marnus Flatz, CEO und Gründer der Cyber Applied Tech Labs

Von neuen Leads zum erfolgreichen Abschluss ist es ein oft schmerzhafter und mühsamer Weg. Die Welt der Immobilienbranche ist voller komplizierter Herausforderungen und Konkurrenz. Um erfolgreich zu sein, benötigen Makler innovative und effektive Lösungen, um sich von der Masse abzuheben. Eine dieser Lösungen ist die Anwendung von KI. Doch wie genau kann man die KI-Modelle der Zukunft im Immobilienbereich einsetzen? Welche Vorteile bietet die Technologie gegenüber traditionellen Methoden? Um diese Fragen zu beantworten, konnten wir mit Marnus Flatz, einen Experten zum Thema befragen. Erfahren Sie in diesem Economag-Interview, wie sich die großen KI-Modelle der Zukunft als neue Super-Waffe des Immobilien-Maklers einsetzen lassen.

Economag: Marnus Flatz, Sie sind CEO und Gründer der Cyber Applied Tech Labs in der Schweiz und Autor des Buches „Entfesselte Intelligenz, Dein Freund, Dein Feind, Deine Chance.“ Welche Chance sehen Sie für die Immobilienbranche, die ja bis heute noch sehr viele analoge Abläufe kennt?

Marnus Flatz: Die Abläufe für Immobilien-Makler sind sehr komplex und das Geschäft sehr persönlich. Ich denke, wenn man erstmal einen guten Kontakt hat, dann wird jeder Makler gerne persönlich Zeit investieren, um das Geschäft abzuschließen, aber bis man diesen Kontakt hat, können die neuen KI-Modelle der nächsten Jahre gute Dienste leisten und jeder Makler ist gut beraten, wenn er sich hier einen Vorsprung verschafft.

Allerdings konnte auch die Digitalisierung den Maklern nicht wirklich helfen. Manche Vorgänge sind zu komplex, um vollständig automatisiert zu werden und dann kamen noch die ganzen Online-Plattformen, die den Maklern das Leben schwer machen.

Das ist ein guter Einwand. Dazu ist es wichtig zu verstehen, dass KI keine vom Menschen programmierte Automation ist. In der klassischen Programmierung muss ein Programmierer für jeden Eingangswert einen bestimmten Ausgangswert festlegen. Bei komplexen Aufgaben, wo die Eingangswerte ständig variieren, kann das eine nahezu unlösbare Aufgabe sein. Mit klassischer Programmierung wären wir beispielsweise nie in der Lage das autonome Fahren umzusetzen. Es gibt einfach zu viele Verkehrssituationen, als dass sich für jedes Ereignis eine ideale Fahrweise programmieren ließe.

KI wird jedoch nicht von Menschen in mühsamer Kleinstarbeit programmiert, sondern sie programmiert sich selbst. Das Innere einer KI besteht immer aus einem oder mehreren neuronalen Netzen mit Milliarden von Parametern. KIs passen diese inneren Parameter durch Gewichtung so lange an, bis sie wünschenswerte Ergebnisse erzielen. Aus diesem Grund finden sie für viel komplexere Vorgänge eine Lösung.

Ist das nicht gefährlich, wenn sich Computer-Programme selbst weiterentwickeln? Werden wir eines Tages alle zu Büroklammern verarbeitet oder landen in der Matrix?

(lacht) Solche Weltuntergangs-Fantasien haben wir Hollywood zu verdanken. Elon Musk hat dazu auch schon ein paar Statements rausgehauen, aber Elon tweetet viel wenn der Tag lang ist. Der CEO von OpenAI Sam Altman hat in einem Interview die Erwartungen eher gedämpft. Also erstens, nur weil KIs Texte generieren können, heißt das nicht, dass sie Texte verstehen können. In über zwei Millionen Jahren Menschheits-Geschichte, hatten wir es nie mit etwas zu tun, das sprechen konnte wie ein Mensch, aber kein Mensch ist. Daher ist es nur natürlich, dass wir etwas, das sprechen kann wie ein Mensch, auch menschliche Absichten unterstellen.

Wir verstehen den Begriff der Imitation zu wenig. KI tut nur so. Sie generiert Texte mit dem Ziel, möglichst menschlich dabei zu wirken. Im Inneren hat sie aber nur ein neuronales Netz, das durch Wahrscheinlichkeitsberechnung ermittelt, wie sie uns ein möglichst gutes Ergebnis in Form von Worten liefert. Sie hat keine Vorstellung von der Bedeutung der Worte, die sie aneinanderreiht. Aber wenn sie ein gutes Sprach-Modell mit einem humanoiden Roboter-Gesicht verbinden, dann kann man als Laie schnell den Eindruck gewinnen, dass die Worte, die sie sagt, eine Art Willensbekundung darstellen.

Doch selbst die fortschrittlichsten KI-Modelle der kommenden Jahre werden keine Absichten oder einen Willen haben, sie könnten das bestenfalls imitieren, weil man es ihnen als Aufgabe gestellt hat. Für Absicht und Willen benötigt es menschliches „Verstehen“, das ist aber an die Erfahrungen eines menschlichen Körpers gebunden. In meinem Buch, habe ich diesem Thema ein ausführliches Kapitel gewidmet. Also nein, jeder der KI mit Matrix und Odyssey im Weltraum in Verbindung bringt, hat das innerste Wesen einer KI noch nicht verstanden.

Dann sind wir beruhigt. Doch wie kann nun KI konkret ins Arbeitsleben von Maklern eingreifen?

Zunächst wird sie den Prozess der Immobilienbewertung beschleunigen, indem Daten verarbeitet und analysiert werden, um den Wert eines Gebäudes und seiner Umgebung zu bestimmen. Dabei gelingen schon heute ganz vernünftige Bewertungen durch KI-Algorithmen. Natürlich nicht so gut wie ein Fachgutachter, aber zur Leadgenerierung auf der eigenen Webseite könnte man solche Tools einsetzen, um sich einen ersten Kontakt zu sichern. Wer verkaufen möchte, den treibt zunächst die Frage um, wieviel er bekommen würde. Wenn man es geschickt anstellt, gibt man dem neuen Interessenten gerade soviel, dass er es noch etwas genauer wissen möchte und mit dem Makler in Kontakt tritt.

Das ist ein sehr guter Tipp. Doch wenn das alle machen, bringt es dann noch was?

Ich denke ein Makler versteht so gut wie sonst kaum jemand, dass es nicht allein auf das Werkzeug ankommt, sondern wie man es nutzt. Jeder hat zwei Hände und ein Gesicht, doch nicht jeder hat den gleichen Händedruck und der eine Makler bringt mit seiner Präsenz den ganzen Raum zum Strahlen und der andere eben weniger. Es sind oft Kleinigkeiten, die den Unterschied machen und ein Schwert ist nur dann eine gefährliche Waffe, wenn man auch damit umzugehen weiß.

Der erfolgreichste Makler von morgen wird jemand sein, der die neuen Werkzeuge, die ihm KI bereitstellt auf eine Art zu nutzen weiß, wie es die anderen nicht wissen. Es ist auch nicht so, dass alle KIs allen Maklern gleichermaßen zur Verfügung stehen werden. Bei Produkten von der Stange, die übers Internet angeboten werden, ist der Vorteil vielleicht nicht so groß, aber hier bei den Cyber Applied Science and Tech Labs entwickeln wir beispielsweise auch spezialisierte KI-Lösungen.

Welche sind das genau?

Da wir hier direkt auf die spezifischen Bedürfnisse einzelner Kunden eingehen, darf ich dazu leider keine Auskünfte geben.

„Allerdings wird KI manche Makler unverschämt effizient machen und da werden andere nicht mithalten können.“

Marnus Flatz

Brauchen sich Makler Sorgen machen, dass sie von KI ersetzt werden?

Makler werden immer gebraucht – auch im KI-Zeitalter. KI wird jedoch dafür sorgen, dass weniger Makler mehr verdienen. In meinem Buch „Entfesselte Intelligenz“ gehe ich auf die wichtigsten Berufsgruppen und ihr Zukunftspotential im KI-Zeitalter ein und Makler stehen dezidiert unter den „sicheren“ Berufen. Es geht für viele Menschen um die wichtigste Anschaffung ihres Lebens, da hat man gerne mit Menschen zu tun. Allerdings wird KI manche Makler unverschämt effizient machen und da werden andere nicht mithalten können. Wer hier rechtzeitig die Weichen stellt und sich KI-Technologie sichert, die anderen Maklern nicht zur Verfügung steht, ist klar im Vorteil.

Wer glaubt, dass er es mit KI genauso machen kann wie mit allen bisherigen Technologien könnte eine unangenehme Überraschung erleben. Wer sich im guten Mittelfeld ein Produkt von der Stange holt, das alle anderen auch verwenden können, verzichtet auf den persönlichen Vorteil und nirgends wird der so klar spürbar werden wie im KI-Zeitalter. Wer sich vor allen anderen um einzigartige KI-Technologie für sich selbst bemüht, der wird zu denjenigen gehören, die das Feld in Zukunft dominieren.

In welchen Bereichen wird KI den Immobilienmarkt am stärksten verändern?

Fest steht für mich, dass Makler auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Wenn Sie im Schnelldurchlauf ein paar Schlagworte möchten, dann würden mir zuerst folgende KI-Themen für die Immobilienbranche einfallen: KI-Algorithmen, die Vorhersagen machen, welche Immobilien am besten zu einem Käufer passen. Aber es braucht Menschen, denen man vertraut, um diese Information zu vermitteln. Also auch hier ist am Schluss wieder der Makler nötig, um den Abschluss zu machen.

KI kann Immobilienmärkten mehr Transparenz verleihen, indem sie eine bessere und schnellere Analyse von Immobilieninformationen ermöglicht. Sie können dem Makler der Zukunft anzeigen, in welchen Regionen er die besten Chancen hat, frischen Kontakt zu Käufern und Verkäufern zu knüpfen. Es gibt keine Technologie, die Muster besser erkennen und deuten kann als ein neuronales Netz, das speziell dafür trainiert wurde. Genau in diesem Bereich forschen wir auch.

Vielen Dank für dieses sehr spannende Interview, Herr Flatz. In Ihrem Buch prägen Sie ja erstmals den Begriff der „Homo Augmentus-Kultur“. Möchten Sie uns noch ein paar Worte zu ihrem Buch „Entfesselte Intelligenz – Dein Freund, Dein Feind, Deine Chance“ sagen?

Wenn ich darf, gerne. Im Buch geht es darum, wie KI im Inneren tickt, wie wir im KI-Zeitalter erfolgreich sein können, welche Berufe besonders gefragt sein werden und es geht auch darum, wie wir unsere Kinder im KI-Zeitalter bestmöglich fördern können. Wer keine Zeit zum Lesen hat, für den gibt`s das Ganze auch als Hörbuch online und als Taschenbuch und eBook bekommt man „Entfesselte Intelligenz“ natürlich bei den üblichen Verdächtigen.

Vielen Dank für das Interview.

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