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Hitze im Büro: Was man dagegen macht und was das Arbeitsrecht vorsieht

Wer frei hat, kann den Sommer in vollen Zügen genießen, jedoch geht jedes Wochenende und jeder freie Tag unter der Woche einmal zu Ende und schon befindet man sich wieder im gut temperierten, sommerlichen Backofen – dem Büro. Wenn das Thermometer die 26 Grad übersteigt, muss der Firmenchef handeln, denn starke Hitze im Büro hat folgende Kollateraleffekte zur Folge:

  • starke Konzentrationsstörungen
  • Leistungsabfall
  • Kreislaufstörungen
  • erhöhtes Unfallrisiko

In unserem Beitrag möchten wir eruieren, was das Arbeitsgesetz vorsieht und wie man sich als Chef und Mitarbeitender vor den sommerlichen Temperaturen schützen kann und für Abkühlung sorgen sollte.

Sieht das Arbeitsrecht Hitzefrei für Arbeitnehmer vor?

Hitzefrei gibt es für Angestellte nicht, jedoch sieht das Arbeitsrecht vor, dass der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht, dabei sprechen wir konkret vom § 4, verpflichtet ist, den Arbeitsplatz und alle einhergehenden Tätigkeiten, die zur Erfüllung der Arbeitserbringung erforderlich sind, so zu gestalten, dass eine Gefährdung der körperlichen und geistigen Integrität vermieden wird. Damit ist vor allem die Innentemperatur am Arbeitsplatz gemeint.

Welche Temperaturen dürfen im Büro vorherrschen?

Die maximale Lufttemperatur im Büro darf die 26 Grad nicht überschreiten. Dabei muss der Arbeitgeber darauf achten, eine Bürotemperatur ab 35 Grad zu vermeiden. Wenn es trotz Klimaanlage und andere Maßnahmen, auf die wir in der Folge zu sprechen kommen, nicht möglich ist, die Temperatur zu drosseln, muss der Chef seinen Angestellten ermöglichen, die Arbeit auf kühlere Tagesphasen zu verschieben oder den Arbeitstag stundenmäßig zu reduzieren.

Welche Maßnahmen muss der Chef ergreifen, wenn es im Büro zu warm ist?

Angenommen, die Raumtemperatur im Büro erreicht die Grenze von 30 Grad Celsius, muss der Arbeitgeber dafür sorgen, seinen Mitarbeitern Abkühlung zu verschaffen. Einige Maßnahmen, die man als Firmeninhaber ergreifen sollte wären die Folgenden:

  • Ventilatoren aufstellen
  • Rollos implementieren, die die Räume verdunkeln und keine Außenhitze reinlassen
  • kostenlose Erfrischungsgetränke, natürlich gekühlt
  • Dresscodes zu lockern. Statt langärmeligen Hemden kurzärmelige Hemden erlauben

Wer sich für die Implementierung von Rollos entscheidet, kann sich beispielsweise bei einem Online-Rollo Shop ein Angebot für das ganze Büro holen. Übrigens ist es möglich, die Ausgaben für neue Rollos von der Steuer abzusetzen, gleichermaßen wie einen Getränkekühlschrank.

Dürfen Arbeitnehmer aufgrund der hohen Temperaturen am Arbeitsplatz die Arbeit verweigern?

Grundsätzlich gilt, dass die Arbeit im Büro ab 35 Grad Celsius unzumutbar ist. Ergreift der Arbeitgeber keine lindernden Maßnahmen, haben Arbeitnehmer das Recht, die Arbeit zu verweigern oder wenn Arbeitnehmern aufgrund der Hitze ein Kreislaufkollaps droht. In solchen Fällen ist es ratsam, sich vom Haus- oder Betriebsarzt krankschreiben zu lassen. Ein Anrecht auf Freistellung vom Arbeitsplatz, bzw. Homeoffice haben zudem:

  • stillende Mütter
  • schwangere Frauen
  • Mitarbeiter mit nachweislichen gesundheitlichen Problemen

Wenn der Chef der Bitte, das Büro auf 26 Grad zu kühlen, nicht nachkommen kann oder möchte, kann dieser Personenkreis die Freistellung von der Arbeit fordern.

Was sieht der Sommer-Dresscode bei extremer Hitze vor?

In einem renommierten Büro oder einer Anwaltskanzlei ist es natürlich nicht gerne gesehen, wenn Mitarbeiter in kurzen Hosen, Trägertops oder Flip-Flops auftauchen. Die meisten Arbeitgeber lockern während der tropischen Sommermonaten den Dresscode. Dies sieht wie folgt aus:

Branchenspezifischer Dresscode

Wer in der Kreativbranche tätig ist, genießt zumal einen lockereren Kleidungsstil als Angestellte von Kanzleien, Banken oder Ämtern. Wer in seiner Tätigkeit direkten Kundenkontakt pflegt, muss sich – auch im Sommer – eher formal kleiden.

Dresscodes in Unternehmen

In Großkonzernen ist ein konservativer und eleganter Kleidungsstil etablierter, als in kleinen familiengeführten Betrieben. Dabei gilt: Luftige Kleidung bei Frauen ist akzeptabel, muss aber dem guten Sittenbild entsprechen, sprich, zu kurze Röcke werden nicht gerne gesehen.

Dresscode nach Position

Für Manager und CEOs gilt das gesamte Jahr über derselbe Dresscode. Wer sein Unternehmen nach außen repräsentierten möchte, muss Sommer wie Winter seriös auftreten – auch bei Temperaturen jenseits der 25 Grad.

Kühlende Tipps gegen die Hitze im Büro

Diese recherchierten Tipps sollen dabei helfen, sich als Arbeitnehmer im Büro den Tag erträglicher zu gestalten.

  • Gleitzeit und Homeoffice nutzen

Falls der eigene Chef ein Gleitzeitmodell anbietet oder zustimmt, dass der heiße Nachmittag im Homeoffice gestaltet werden darf, sollte man das nutzen. Bei der Gleitzeit ist es ratsam, früh am Morgen ins Büro zu kommen und früher Feierabend zu machen, wenn sich die Nachmittagshitze am stärksten bemerkbar macht.

  • Luftige Kleidung wählen

Nach Möglichkeiten sollte man seine Kleidung den Temperaturen anpassen und helle und atmungsaktive Kleidungsstücke bevorzugen. Leinen oder Mikrofasern sind besonders gut geeignet und man transpiriert nicht zu stark.

  • Die richtige Belüftung

Am Morgen empfiehlt es sich, alle Räume richtig zu lüften. Ab Mittag sollten sämtliche Fenster und Balkontüren geschlossen gehalten werden und mit Rollos oder Jalousien verdunkelt werden. Wer die Fenster den ganzen Tag offenlässt, lässt automatisch die heiße Umluft in die Räume. Durch ein gekühltes Büro und zu warme Umluft droht zudem die Gefahr, dass sich die Mitarbeiter erkälten. Ein Ventilator sorgt zwar für eine frische Luftbrise, erhöht aber auch das Risiko, sich einen Schnupfen zu holen. Zudem sollten Ventilatoren niemals auf den Kopf ausgerichtet werden.

  • Leichte Kost bevorzugen

Wer würde im Sommer in der Mittagspause eine deftige Gulaschsuppe oder ein Käsefondue essen? Schwere Speisen belasten den Kreislauf. Deshalb sollte das Mittagessen im Büro aus frischen Salaten, Gemüse und knackigem Obst, leicht verdaulichen Sandwiches bestehen oder mal aus einem Hühnerbrustfilet mit Gemüsereis. Pommes und Steaks sollten eher gemieden werden.

  • Viel Flüssigkeit trinken

Als Faustregel sollte an heißen Sommertagen ein Quantum von mindestens drei Litern Wasser oder ungesüßter kalter Tee getrunken werden. Perfekt sind gekühlte stille Wasser oder Sodastream. Wer am Arbeitsplatz einen Wasserspender benutzen kann, sollte sich daran auch reichlich bedienen oder die gekühlten Getränke im Kühlschrank konsumieren.

  • Nacken und Füße kühlen

Ein nasser Lappen, den man sich in den Nacken legt, hat eine wundervolle Wirkung auf die körpereigenen Temperaturregulierungsfunktionen. Mit dem Lappen kann man sich auch über die Füße und Waden wischen, um einen kühlenden Effekt zu erzielen.

Fazit

Wer sich an alle Empfehlungen und Tipps hält, viel trinkt, sich luftig mit der richtigen Kleidung einkleidet und akkurat belüftet, kommt formidabel durch heiße Sommertage im Büro. Nicht alle Büros verfügen über eine wohltuende Klimaanlage. Daher sollte man sich diese Tipps zu Herzen nehmen und als Arbeitgeber für seine Mitarbeiter vorsorgen, sodass diese gesund und produktiv in den Sommer starten können.

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