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Finanzen & Börse

Wieso Sparbücher für Kinder sich kaum noch lohnen

Sparer haben es in den letzten Jahren sehr schwer in Deutschland. Schuld sind die niedrigen Zinsen, die von der Europäischen Zentralbank festgelegt wurden. Der Grund ist einerseits, die Schuldenkrise abzumildern und andererseits, die Menschen davon abzuhalten, Geld zu horten. Es soll „unter die Leute“ gebracht werden und die Wirtschaft ankurbeln. Das funktioniert, denn der Niedrigzins hat auch viele Vorteile. Kredite sind unfassbar billig und immer mehr Menschen erfüllen sich zum Beispiel den Traum von den eigenen vier Wänden.

Dennoch sollte nicht verschwiegen werden, dass die Deutschen durch die Zins-Politik der Europäischen Zentralbank seit 2010 etwa 343 Milliarden Euro verloren haben, durch entgangene Zinsen auf ihr Vermögen. Doch wie kam es überhaupt zu diesen in Deutschland historisch niedrigen Zinsen?

So kam es zu den Niedrigzinsen

Es gibt zwei Arten von Zinsen: Solche, die man bezahlen muss, wenn man sich Geld leiht. Diese gibt es wahrscheinlich schon, seit man geliehenes Getreide nach einer erfolgreichen Ernte mit einem kleinen Mehr wieder zurückgab. Das glich das Risiko aus, dass die Ernte auch hätte ausfallen können. Andererseits gab es Zinsen, die man bekam, wenn man sein Geld bei einer Bank hinterlegte. Diese sind jedoch erst einige Hundert Jahre alt. Im Grunde bedeutete es, dass man der Bank Geld lieh, was früher ebenfalls mit einem gewissen Risiko behaftet war. Denn die Bankiers von Florenz, die diesen Zins wieder erfanden, konnten dem Sparer nur deutlich weniger Sicherheit bieten als Banken heutzutage. Schließlich konnten Investitionsgüter gestohlen werden, verderben oder samt dem Transportschiff untergehen.

Doch die Welt hat sich gewandelt. Sie wurde allein schon in diesem noch jungen Jahrtausend durch zahlreiche Krisen durchgeschüttelt. Wirtschaftskrise, Immobilienblase, Brexit und nun noch Corona: Die Lage ist angespannt. Die Verschuldung der Staaten liegt auf einem historisch hohen Niveau. Hier kam durch die Wirtschaftskrise eine Abwärtsspirale in Gang, die bisher nicht gestoppt werden konnte.

So kommen die Zinsen zustande

Die Höhe der Zinsen wird von Angebot und Nachfrage und maßgeblich durch den Leitzins der EZB bestimmt. Möglichst niedrige Zinsen sorgen dafür, dass Schulden billiger sind, was angesichts des riesigen Schuldenberges der Welt auch nötig ist. Sie sorgen jedoch auch dafür, dass weitere Schulden (auf den ersten Blick) wenig kosten, sodass sich die Staaten (und privaten Haushalte) weiter verschulden. Niedrige Zinsen sorgen dafür, dass man investieren muss, wenn man nicht dabei zusehen möchte, wie das eigene Vermögen zwischen den Fingern zerrinnt. Es handelt sich bei der aktuellen Zinspolitik nämlich nicht um ein Nullsummenspiel, denn die Inflation muss eingerechnet werden. Sie macht das Ganze zu einem Minusgeschäft.

Achtung, Inflation!

Wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, was aktuell der Fall ist, dann verliert Geld, das einfach nur auf einem Sparbuch liegt, an Wert. Die 100 Euro, die heute eingezahlt werden, sind aufgrund der Inflation in einem Jahr weniger wert. Ausgehend von einer Inflation von 2 Prozent bekäme man nach einem Jahr nur noch Waren im Wert von 98,04 Euro für die ehemals 100 Euro. (100/102 = 0,9804 = 98,04). Abgepuffert wird dieser Verlust durch die Zinsen, die sich bei einem Sparbuch für Kinder wie bei jedem Sparprodukt im Moment in einem Bereich von unter 1 % bewegen.

Die Idee, für die Kinder oder Enkel regelmäßig etwas anzusparen und am Ende mehr als die eingezahlte Summe überreichen zu können, ist also obsolet geworden. Wir müssen uns jetzt an den Gedanken gewöhnen, dass diese Zeiten nicht mehr zurückkommen werden. Was ist also zu tun?

Renditestarke Produkte auswählen und diversifizieren

Wir Deutschen wollen uns nicht so schnell von dem Gedanken des Sparens verabschieden. Das ist daran ersichtlich, dass die Geldvermögen jedes Jahr anwachsen. Doch sie beinhalten nicht nur Sparvermögen, sondern auch Immobilien, Anleihen und Wertpapiere. Damit man beim Sparen keinen Verlust macht, muss das Geld klug und vor allem mit einem gestreuten Risiko angelegt werden. Wie das gerade für Kinder am besten funktionieren kann, zeigt dieser Geldanlage-Guide. Grob gesagt lässt sich festhalten, dass es einige kluge Produkte wie gemanagte Fonds gibt.

Diese sind heute auch für den kleinen Anleger lohnenswert, denn man kann mit geringen Summen einsteigen und die Gebühren halten sich ebenfalls in Grenzen. Keinesfalls sollte man jedoch sein ganzes Vermögen nur auf eine einzige Weise anlegen sondern diversifizieren, also das Risiko streuen.

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Immobilien, Fonds, Tagesgeldkonten und Gold sind die am häufigsten gewählten Methoden, um das eigene Vermögen zu bewahren und zu vermehren. Hier sticht besonders das Gold hervor, das sich von den anderen Möglichkeiten insofern unterscheidet, als dass es keine festgelegte Rendite bringt. Es dient der Aufbewahrung des Vermögens und ist besonders in Krisenzeiten ein beliebter, „sicherer Hafen“.  Gold ist ein Hybrid, denn es funktioniert sowohl als Währung wie auch als Geldanlage. Der Goldpreis schwankt, sodass sich das Edelmetall nicht als kurzfristige Anlage eignet. Auf die Jahre und Jahrzehnte gesehen verliert es jedoch nie seinen Wert und seine Kaufkraft.

Experten empfehlen, einen bestimmten Prozentsatz des eigenen Portfolios in Gold und Silber anzulegen. In Bezug auf das Sparvermögen der Kinder kann man sich gut vorstellen, zu besonderen Anlässen etwa auch Goldmünzen zu verschenken. Es gibt sie in verschiedenen Stückelungen und mit schönen Motiven, was sie zu einem attraktiven Geschenk macht. Doch das allein genügt natürlich nicht. Wer heute aus seinem Vermögen etwas „mehr“ machen oder einfach nur verhindern will, dass es von selbst „weniger“ wird, der kommt nicht daran vorbei, sich ausführlich zu informieren und Entscheidungen zu treffen.

Für die Kinder kann man auch insofern etwas tun, dass man sie den klugen Umgang mit Geld lehrt. Das beginnt beim Umgang mit dem Taschengeld und hört bei Gesprächen über Geld und Anlagen noch lange nicht auf. „Über Geld spricht man nicht“ – diese Zeiten sind endgültig vorbei.

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