smolaw11/stock.adobe.com
Finanzen & Börse

Bonität verbessern: Das tut dem Schufa-Score gut

Immer liquide Mittel zu haben, um gegen unerwartete Ausgaben gewappnet zu sein, ist eine Bringschuld, die jeder nach Kräften leisten sollte. Doch spätestens, wenn diese Eigenmittel einmal nicht ausreichen sollten langfristig bindende Verträge abgeschlossen werden sollen, kommt die Bonität ins Spiel. Sie ständig im Blick zu halten und zu verbessern, ist ebenso eine wichtige Pflichtübung. Doch was sorgt für eine glänzende Bonität?

Grundwissen: Was ist Bonität?

Grundsätzlich lässt sich Bonität mit der Kreditwürdigkeit einer Person umschreiben. Ein möglichst guter finanzieller Leumund, der vor dem Abschluss von Kredit- und ähnlichen Verträgen bereits eine positive Aussage darüber abgibt, dass derjenige seinen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nachkommen wird. Im heutigen Geschäftsumfeld werden dafür eine Reihe von Daten herangezogen:

  • Aktuelle und zurückliegende Verpflichtungen (etwa Kredite)
  • Aktueller Wohnort und Häufigkeit des Wohnortwechsels
  • Alter
  • Beruf
  • Einkommen
  • Familienstand
  • Vermögen
  • Zahlungsmoral

An diesem Punkt kommen die Schufa bzw. ähnlich aufgebaute Auskunfteien ins Spiel. Sie sammeln diese Daten aus mehreren Quellen. Entweder über frei einsehbare öffentliche Verzeichnisse oder zurückliegende Datenübermittlungen – etwa, weil bereits bei der Beantragung eines Handyvertrages oder der Eröffnung eines Girokontos einer Datenübermittlung vertraglich zugestimmt wurde. Aus all diesen Daten wird über geheim gehaltene Methoden ein Score errechnet – ein simpler Zahlenwert, der auf einen Blick verrät, wie es um die Bonität bestellt ist. Dadurch, dass hier so viele Daten einfließen, bestehen deshalb auch vielfältige Möglichkeiten, sein Standing nachhaltig zu verbessern.

1. Rechnungen überpünktlich zahlen

Hier die Handwerkerrechnung erst nach einigen Wochen beglichen, dort einen Kauf bei eBay erst nach mehreren Tagen überwiesen – zugegeben, es mag manchmal Gründe geben, Dinge etwas später zu bezahlen. Generell jedoch birgt jede unpünktlich gezahlte Rechnung, erst recht, wenn sie (mehrfach) angemahnt wird, das Risiko, die Auskunfteien zu erreichen und dort die Bonität zu senken. Die Maßgabe ist deshalb einfach: Jede Rechnung innerhalb der angegebenen ersten Zahlungsfrist begleichen.

Tipp: Bei wiederkehrenden Zahlungen sollte die Rechnung durch ein Lastschrift- oder ähnliches Verfahren abgelöst werden. Das eliminiert das Risiko, versehentlich säumig zu werden.

2. Kredite sorgsam vergleichen

Der aktive Abschluss eines Kreditvertrags wird unumgänglich in den Datensätzen einer Auskunftei landen. Ein großer Fehler wird jedoch häufig im Vorfeld begangen: Denn auch konkrete Kreditanfragen werden übermittelt. Kommt das innerhalb eines kurzen Zeitraumes mehrfach vor, wird jedes weitere mal den Score sinken lassen. Besser ist es, nur sogenannte Konditionsanfragen als erste Schritte zu einem Kreditantrag zu stellen. Insbesondere online werden so durch die bloße Eingabe von Kreditsumme, Laufzeit und Verwendung die Konditionen mehrerer Banken sicht- und vergleichbar – ohne dass die Auskunfteien etwas davon mitbekommen.  Erst im nächsten Schritt, wenn ein konkretes Angebot eingeholt wird, bekommen sie Informationen.

Übrigens: Ebenfalls förderlich für den Score ist es, zu jeder Zeit so wenige Kredite wie möglich bedienen zu müssen. Sind mehrere unumgänglich, sollte über eine Zusammenführung durch Umschuldung nachgedacht werden.

3. Nicht zu viele Konten und Karten haben

Ein Girokonto fürs Gehalt, ein zweites für den Nebenerwerb, ein drittes für laufende Kosten und Internetkäufe. Dazu eine Kreditkarte von der Hausbank, vielleicht noch eine weitere vom Pannenservice und eine dritte gemeinsam mit dem Partner. Derartige Konstellationen sind längst keine Ausnahmen mehr – dadurch betreffen sie aber auch eine immer größere Bevölkerungsschicht in Sachen Bonität.

Denn alles, was in dieser Hinsicht potenziell überzogen werden kann, sehen die Auskunfteien kritisch. Vielleicht besteht keine echte Kaufsucht, aber so viele Konten und Karten würden es zumindest ermöglichen, ihr zu verfallen und erhebliche Schulden anzuhäufen. Und so, wie es den Score senken würde, gar keine Konten zu besitzen, passiert das Gleiche, wenn zu viele Konten und Karten vorhanden sind. Auch hier lautet die Maßgabe: Einschränkung und Reduktion aufs Wesentliche. Und wo sich mehrere Konten nicht vermeiden lassen, sollten diese zumindest nicht bei mehreren unterschiedlichen Instituten bestehen.

Aber: Wer sich spätestens durch diese Methode für ein Kreditinstitut entschieden hat, sollte auch möglichst jahre- oder gar jahrzehntelang dabeibleiben. Treue wird beim Scoring ebenfalls belohnt.

4. Dispo haben, aber nicht nutzen

Die Vorgehensweise der Auskunfteien liegt vielfach im Verborgenen und wirkt zumindest auf Laien schwer nachvollziehbar. So auch dieser Punkt: Primär sehen Schufa und Co. es gern, wenn eine Bank ihren Kunden einen möglichst hohen Dispokreditrahmen einräumt. Denn dabei handelt es sich um einen Vertrauensbeweis, schließlich gewährt das Institut einen Kredit „auf Treu und Glauben“.

Allerdings wird aus dem Vertrauensbeweis erst dann ein positiver Faktor für die Bonität, wenn er möglichst niemals benutzt wird. Heißt, die Bank sollte zwar einen hohen Dispo einräumen, der Kontobesitzer sollte ihn jedoch am besten niemals antasten, sondern sein Konto immer im Plus halten, zumindest aber den Dispo nie überziehen. Das hat auch noch einen weiteren positiven Effekt: Die Dispozinsen sind deutschlandweit extrem unterschiedlich und teilweise sehr hoch – selbst in der heutigen Niedrigzinsphase.

5. Umzüge vermeiden

Wer den bisherigen Artikel aufmerksam gelesen hat, erkannte vielleicht auch einen roten Faden: Was die Auskunfteien nicht mögen, ist Unstetigkeit, Wechselhaftigkeit, viele Kleinigkeiten statt eines großen Ganzen. Angesichts dieser tatsächlichen Vorgehensweise spielt natürlich auch die Häufigkeit der Wohnortwechsel eine Rolle. Tatsächlich sogar auf zweierlei Arten:

  1. Wegen der generellen Häufigkeit, die sich aufsummiert und so den Score schlechter macht.
  2. Wegen der Tatsache, dass der Score direkt nach dem Umzug um mehrere Prozentpunkte sinken kann, bis die Auskunftei genügend neue Daten für den Wohnort hat.

Dieser Punkt ist vor allem deshalb ärgerlich, weil sich speziell berufsbedingte Wohnortwechsel oftmals kaum vermeiden lassen.

Übrigens: Zwar wird des Öfteren behauptet, dass die Auskunfteien auch Geoscoring betreiben, also bei der Bonität grundsätzlich auch den „Ruf“ des Wohnorts einbeziehen, jedoch distanziert sich zumindest die Schufa explizit davon: „Aufgrund unseres besonderen Datenbestandes mit kreditrelevanten Informationen führen wir standardmäßig – das heißt bei 99,7 Prozent aller Scoreberechnungen – kein Geoscoring zur Ermittlung der Bonität durch. Es spielt keine Rolle, ob Sie in einer „guten“ oder „weniger guten“ Gegend wohnen“.

Tipp: Eine gute Möglichkeit, sich an den Auskunfteien vorbei eine Art „Eigenkredit“ zu gewähren, ist eine Prepaid-Kreditkarte. Diese füllt man immer wieder mit Geld, nutzt sie aber erst dann, wenn größere Einkäufe anstehen. Dann gibt es alle Vorteile einer Kreditkartenzahlung, ohne jedoch die genannten Nachteile.

6. Möglichst nicht bürgen

Es ist eine alltägliche Situation: Ein Verwandter oder guter Freund meldet sich. Er benötigt einen Kredit, hat aber, da er alleinstehend ist, gewisse Schwierigkeiten, einen zu bekommen – obwohl er eigentlich genug Geld hätte. Also bittet er darum, als Bürge aufzutreten. Sicherlich ein ehrenwerter Dienst an einer nahestehenden Person. Aber auch einer, der sich mitunter negativ auf die Bonität auswirken kann. Denn der Eintrag als Bürge wird bei den Auskunfteien vermerkt. Und er kann darüber durchaus künftig zum Problem werden – dann, wenn vielleicht selbst spontan ein Darlehen benötigt wird.

Dadurch kann, obwohl man nicht aktiv zahlen muss, der Kredit dennoch problematisch werden. Immerhin könnte es ja dazu kommen, dass die Bürgschaft benötigt wird. Das bedeutet also, dass ein solcher Freundschaftsdienst zumindest sehr gut überlegt werden sollte.

Ähnliche Beiträge

Deflationsprobleme beim Bitcoin: Was gilt es zu beachten?

Währungsrisiko absichern: Welche Möglichkeiten gibt es?

Heinrich Gellertshausen

Handel mit Kryptowährungen: Ein Leitfaden für Einsteiger